Körpersprache deuten – was uns die nonverbale Kommunikation verrät.

  • Körpersprache deuten durch aufmerksames Lesen des Gegenübers.

Unser Erleben und Verhalten ist grundlegend von Emotionen geprägt. Dieser Artikel beleuchtet die Arten und Funktionen unserer Emotionen und zeigt Dir, wie sie sich in unserer Körpersprache, also in unserer Gestik und Mimik, ausdrücken. In diesem Artikel lernst Du die sieben Basisemotionen kennen und wie sich diese für einen Bruchteil einer Sekunde in unseren Gesichtern zeigen – ohne dass wir dies bewusst kontrollieren können. Du lernst, die Körpersprache zu deuten und Dein Gegenüber so ganz ohne Worte zu verstehen. Mach Dich bereit für einen Ausflug in die Tiefen der Gefühlswelten und lerne, Dein Gegenüber ganz ohne Worte zu verstehen.

Die 7 Basisemotionen.

Paul Ekman, amerikanischer Anthropologe und Psychologe fand in den sechziger Jahren heraus, dass wir Menschen kulturübergreifend sieben Basisemotionen haben, die sich in unserer Mimik widerspiegeln. Diese sind Angst, Wut, Ekel, Freude, Trauer, Verachtung und Überraschung. Sie haben die Funktion, unser Verhalten dahingehend zu beeinflussen,  angemessen auf bestimmte Situationen zu reagieren. Beispielsweise führt Angst dazu, dass wir uns auf einen Kampf einstellen oder schnellstmöglich fliehen. Wut hingegen hilft bei der Zerstörung einer Sache, die unserer Bedürfnisbefriedigung im Weg steht.

Wie bringen wir Emotionen durch Körpersprache zum Ausdruck?

Dass wir unsere Emotionen verbalisieren, kommt allerdings vor allem im beruflichen Umfeld oder bei Verhandlungen eher selten vor. Vielen Menschen ist es unangenehm, offen über ihre Gefühle zu sprechen, weil damit auch eine gewisse Angreifbarkeit und Verletzlichkeit verbunden ist. Doch unsere Emotionen sind die Grundlage unseres Erlebens und es ist immer von Vorteil, wenn wir wissen, wie sich unser Gegenüber gerade fühlt. Genauso ist es für uns förderlich, wenn unsere Gefühle erkannt, berücksichtigt und verstanden werden. 

Verbale und nonverbale Kommunikation – Körpersprache deuten.

Denken wir an Kommunikation, denken wir sofort an Sprache. Schätzungen zufolge ist jedoch die nonverbale Kommunikation in Form der Körpersprache weitaus wichtiger für das gegenseitige Verständnis als die Sprache an sich. Mimik und Körpersprache vermitteln oftmals weitaus wichtigere Informationen über den Menschen als seine Worte, denn diese werden meist nicht bewusst kontrolliert. So erkennst Du zum Beispiel allein an der Art, wie Dein Gegenüber sitzt, ob er sich in der gegebenen Situation wohlfühlt oder nicht. Unsere Körpersprache bringt vieles zum Ausdruck: unsere Emotionen, Einstellungen, Sympathien und zum Teil auch unsere Motive. Indem wir unsere Aufmerksamkeit auf unseren Gesprächspartner richten, können wir seine Körpersprache deuten und sehen so meist eine völlig andere Perspektive als die Verbalisierte und können unser Gegenüber so besser verstehen. 

Wie lese ich die Körpersprache meines Gegenübers?

Allein die Körperhaltung und Sitzposition verrät viel über das Innenleben eines Menschen. Eine aufrechte und gerade Körperhaltung vermittelt Selbstsicherheit und Ruhe, und lässt uns größer und dominanter erscheinen. Verschränkte Arme und Beine signalisieren, dass sich eine Person mental, emotional und physisch von seinem Gegenüber abschotten und Distanz aufbauen will. Die  verschränkten Arme dienen als eine Art Schutzwall. In den allermeisten Fällen ist diese Körperhaltung nicht bewusst, daher ist sie auch so aufschlussreich. Versteht man diesen Ausdruck, indem man die Körpersprache des Gegenübers deutet, ist es möglich, sich an seinen Gesprächspartner anzupassen und auf dessen Gefühle empathisch zu reagieren.  

Zeigt uns unser Gegenüber seine offenen Handflächen, möchte er Unschuld signalisieren und um Vertrauen werben. Wir kennen diesen Ausdruck von Fußballspielern, die nach einem Foul ihre Unschuld beteuern, indem sie ihre Hände heben. Auch vor einem amerikanischen Gericht wird die Handfläche gezeigt, wenn ein Schwur ablegt wird. Wir sollten diese Geste als Zeichen einer Annäherung oder auch Entschuldigung unseres Gegenübers interpretieren und dementsprechend reagieren. 

Allgemein ist es empfehlenswert, Körpersprache zu imitieren. Auch wenn dies nicht bewusst erkannt wird, erzeugt es Gefühle von Verständnis, Nähe und Sympathie. Neben dem Körper birgt unser Gesicht mit seinen 43 Muskeln viele Möglichkeiten, Emotionen zum Ausdruck zu bringen. Dies geschieht in Form von lange andauernden Gesichtsausdrücken und auch durch sogenannte Mikroexpressionen.    

Was sind Mikroexpressionen?  

Mikroexpressionen sind flüchtige Gesichtsausdrücke, die nur Bruchteile einer Sekunde andauern und dementsprechend schwer zu identifizieren sind. Sie sind biologisch bedingt, treten universal bei Menschen in allen Kulturen auf, werden unterbewusst gesteuert und sind somit auch nicht kontrollierbar. Das Lesen und Interpretieren von Mikroexpression ist erlernbar, bedarf jedoch intensiven Trainings. Trotzdem ist es wertvoll, sich diese Ausdrücke näher anzuschauen, da sie ein Verständnis davon vermitteln, wie sich Emotionen in unserem Gesicht zeigen. Jede der sieben Grundemotionen folgt in ihren Muskelkontraktionen einem bestimmten Muster.

 Emotionen durch Lesen der Körpersprache deuten.

#1 Freude –  Wie erkenne ich ein echtes Lachen?
Verspürt Dein Gegenüber Freude, sind dessen Mundwinkel beidseitig hochgezogen, ebenso wie die Wangen. Dabei verläuft eine Falte von der äußeren Nase zur äußeren Lippe. Du kannst ein echtes von einem unechten Lachen anhand der Augen unterscheiden. Bei einem echten Ausdruck von Freude zieht sich auch die Ringmuskulatur um die Augen zusammen und es zeigen sich typische Falten in Form von Krähenfüßen an den Außenseiten der Augen. Dadurch entsteht das für Freude typische Glänzen in den Augen. Bei einem unechten Lachen sind lediglich die Mundwinkel hochgezogen, die Augen bleiben entspannt.  

#2 Wut –  wie erkenne ich, dass mein Gegenüber wütend ist?
Beim Ausdruck Wut werden die Augenbrauen gesenkt und zusammengezogen. Die Augen sind starr, die Lippen sind fest zusammen gepresst und seitlich nach unten gedrückt oder in einer quadratischen Form, als würde man schreien.

#3 Angst – die am schwersten zu erkennende Mikroexpression.
Ist Dein Gegenüber ängstlich, so ziehen sich seine Augenbrauen zusammen. Es zeigt sich eine mittige Stirnfalte, das obere Augenlid ist angehoben, während das untere Lid angespannt und hochgezogen ist. Der Mund ist offen und die Lippen sind leicht gedehnt und zurückgezogen.

#4 Ekel – die biologische Abwehrreaktion.
Empfindet ein Mensch Ekel, zeichnet sich dies dadurch aus, dass das obere Augenlid sowie die Unterlippe angehoben sind und die Nase gerümpft ist. 

#5 Körpersprache deuten – Trauer.
Ist Dein Gegenüber traurig, so ziehen sich dessen Augen ein und hoch. Die Lippenwinkel sind nach unten gezogen und die Unterlippe tritt nach vorne. Bei Kleinkindern kann man diese Expression gut beobachten. Wir alle kennen das typische Bild eines Kindes, bei dem sich kurz vor dem Weinen die Unterlippe nach vorne schiebt. 

#6 Überraschung – wenn uns die Kinnlade runterfällt.
Bei Überraschung ziehen sich die Augenbrauen nach oben und krümmen sich. Uns fällt im wahrsten Sinne des Wortes die Kinnlade runter, dabei bleibt der Mund offen und ganz locker. 

#7 Verachtung – eine wegweisende Emotion.
Diese Basisemotion stellt für unser Zusammenleben eine enorme Wichtigkeit dar, jedoch ist sie sehr schwer zu erkennen. Dabei heben sich wie bei Freude die Mundwinkel an, jedoch nur einseitig. Oftmals passiert es, dass Verachtung durch ein Lächeln kaschiert wird. Dies erkennst Du daran, dass einer der Mundwinkel stärker hochgezogen wird als der andere. 

Mikroexpressionen als Mittel, um Lügen zu erkennen. 

Paul Ekman nutzte seine Theorie auch für das Erkennen von Lügen. So leitete er eine Sicherheitsfirma, die mitunter auch für das FBI arbeitete und Verhöre mit Verdächtigen durchführte. Dabei suchte er gezielt nach Ungereimtheiten zwischen Gesagtem und Gesichtsausdruck, um so Lücken und Verborgenes in der Aussage der Verdächtigen zu entlarven. 

Die Wichtigkeit von Emotionen.

Wir haben nun gelernt, dass Emotionen eine grundlegende Rolle dabei spielen, wie wir denken und uns verhalten. Die Auseinandersetzung mit ihnen kann Dir ungemein helfen, Dein eigenes Innenleben zu reflektieren. Gleichzeitig kannst Du mit Wissen über Emotionen und Körpersprache auch das Verhalten Deiner Mitmenschen besser interpretieren und einordnen, was sich positiv auf das Zusammenleben im Job und auch im Privatleben auswirkt.

Vielleicht nimmst Du die nächste Emotion, die Du während eines Gesprächs hast, bewusst wahr und vernimmst, wie sich diese auf Deine Körpersprache auswirkt. Versuche doch zusätzlich einmal beim nächsten Gespräch immer wieder zwischendurch bewusst auf die Körpersprache Deines Gegenübers zu achten. So wirst Du Kommunikation aus einem völlig neuen Blickwinkel zu betrachten.  

Hast Du das Gefühl, dass die einzigen Emotionen, die Du gerade in Dir spürst, negativ sind? Fühlst Du Dich gestresst oder leidest an Depressionen? 

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*in Zusammenarbeit mit Selfapy Psychologe Adrian Wangerin.

Liesa Huppertz

Liesa Huppertz

Content Managerin