Coronavirus: Isolation und die Auswirkung auf unsere Psyche

  • Coronavirus: Isolation und menschliche Psyche

Während die Medizin an Impfstoffen für Covid-19 forscht, werden Schulen geschlossen und viele Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter wenn möglich ins Homeoffice. Soziale Distanz zu Freunden und Bekannten sowie die Verlagerung des gesamten Alltags in die eigenen vier Wände verstärken das Gefühl der Isolation und können unsere Psyche belasten. 

Covid-19: Der Beginn einer Pandemie in Deutschland

Mittlerweile hat die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) eine globale Pandemie verursacht. Viele von uns haben bereits eine von der WHO ausgerufene Pandemie erlebt (H1N1 in 2009), doch dieses Mal sind die Auswirkungen auf unseren Alltag tiefgreifend. Bis vor Kurzem wurden strenge Maßnahmen nur für diejenige getroffen, die aus Gefahrengebieten nach Deutschland zurückkehrten oder Kontakt mit einer erkrankten Person hatten. Die Quarantäne ist eine dieser Maßnahmen.

„Flatten the curve“ mithilfe von Quarantäne und Social Distancing

Die Lage hat sich zugespitzt, die Anweisungen in Deutschland sind deutlich: Wir sind alle dazu aufgefordert worden, soweit wie möglich zu Hause in freiwilliger Quarantäne zu bleiben. Doch welches Ziel wird mit dieser Maßnahme verfolgt? Das Ziel einer Quarantäne ist vielmehr die Ausbreitung einer hoch ansteckenden Krankheit zu verlangsamen, als eine Infizierung komplett zu verhindern.

In den Medien fällt in diesem Zusammenhang immer wieder der Ausdruck „flatten the curve“. Indem wir zu Hause bleiben und unsere sozialen Kontakte einschränken, soll die Kurve der Infizierten flach gehalten werden. Denn wenn sich die Menschen langsamer infizieren und nicht alle gleichzeitig erkranken, kann das Gesundheitssystem bessere Versorgung leisten. Bei einer gleichzeitigen Infizierung vieler Menschen kann die bestmögliche Behandlung für den Einzelnen nicht mehr garantiert werden.

Wer sich in Quarantäne befindet, verzichtet also so weit wie möglich auf direkte soziale Kontakte. Auf Facebook oder Instagram lesen wir derzeit häufig den Begriff „Social Distancing“, der genau das beschreibt. Eine Quarantäne kann also zu sozialer Isolation führen, die weitreichende psychische Folgen hat.

Auswirkungen von Quarantäne und Isolation auf das „soziale Wesen Mensch“

Mit der Aufforderung #stayhome („bleib zuhause“) befinden wir uns nun alle in einer ungewohnten Situation. Das Büro ist geschlossen, die Arbeit verlagert sich ins Homeoffice und Freizeitaktivitäten außerhalb der eigenen vier Wände werden abgesagt. Diese Einschränkungen gehen an den meisten Menschen nicht spurlos vorbei. So freuen sich die einen über ein bisschen mehr Zeit zu Hause und auf Dinge, für die sie sonst kaum Gelegenheit finden, während andere eher negative Auswirkungen spüren. Zu diesen kann beispielsweise das Gefühl der Einsamkeit zählen. Das Wegfallen von sozialen Kontakten macht dann das Leben und Ausharren besonders schwer. 

Gefühle in der Isolation: Einsamkeit oder Alleinsein

Die Quarantäne ist für uns als soziale Wesen eine oft schwierige Umstellung. In unserem Alltag sind der Aufbau und das Halten positiver sozialer Beziehungen tägliche und oft selbstverständliche Bestandteile. Wenn dieser wichtige Teil unseres Lebens nicht mehr wie gewohnt stattfindet, können schnell Gefühle von Einsamkeit aufkommen – auch, wenn wir gar nicht allein zu Hause sind. Denn ‚Alleinsein‘ und ‚Einsamsein‘ sind nicht dasselbe. Alleinsein beschreibt einen physischen Zustand, während Einsamkeit ein Befinden, eine Gefühlslage ausdrückt. Dieses Gefühl kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. 

Das Bedürfnis nach Schutz & Zugehörigkeit

Unser Bedürfnis nach Schutz und Zugehörigkeit leidet ebenfalls in unsicheren Situationen und sozialer Isolation. Das Gefühl, eingesperrt zu sein, nicht mehr seinen alltäglichen Routinen nachgehen zu können und nur begrenzt Zugang zu wichtigen Ressourcen zu haben, kann sich zusätzlich negativ auf die Stimmung auswirken. Denn Freunde zu treffen, einem geregelten Arbeits- und Familienleben nachzugehen oder Hobbys auszuüben, sind für viele von uns wichtige Kraftquellen im Alltag. Im Zusammenhang mit dieser neuen und schwierigen Situation sind folgende Symptome oder Stimmungsveränderungen nicht untypisch: Psychische Belastung (Belastungsstörung), emotionale Unruhe, Stress, schlechte Stimmung, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, posttraumatische Symptome, Wut, emotionale Erschöpfung oder mit dem Virus einhergehende Ängste.

Tipps für die mentale Gesundheit in der Isolation

Egal ob Zeitung, Fernsehen oder Social Media – das Thema Coronavirus ist allgegenwärtig. Um in dieser Zeit für seine mentale Gesundheit zu sorgen, empfehlen wir euch, den täglichen Medienkonsum zeitlich zu begrenzen. Auch ein fester Tagesablauf und tägliche Routinen können helfen, die Zeit in der Isolation gut zu überstehen. Obwohl eine Quarantäne viele negative Auswirkungen hervorrufen kann, ist es auch möglich, eine positive Sichtweise zu entwickeln. Wir raten dazu, die Zeit mit Dingen, die einem gut tun, zu füllen. Denn auch in Quarantäne können weitere persönliche Ressourcen für sich entdeckt werden. 

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Natalie Ludwig

Natalie Ludwig