Borderline-Persönlichkeitsstörung

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Die emotional-instabile Persönlichkeitsstörung

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung oder auch emotional-instabile Persönlichkeitsstörung ist vor allem durch die Instabilität und Impulsivität der Emotionen geprägt. Der Begriff „Borderline“ findet seinen Ursprung in dem Romantitel „Borderland“ von C.H. Hughes, der er in seinem Buch das „Grenzgebiet“ psychischer Störungen beschreibt. Bei der Erkrankung finden sich neurotische sowie psychotische Symptome wieder. Dadurch lässt sich die Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS) auch als Mischform dieser Störungen verstehen.

Ab wann kann die Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden?

Da für die Erkrankung impulsives sowie instabiles emotionales Verhalten kennzeichnend ist, wird die Persönlichkeitsstörung auch emotional-instabile Persönlichkeitsstörung – „Borderline typus“ genannt. Das stark affektive Verhalten wird vor allem in den sozialen Beziehungen, dem negativen Selbstbild und der allgemeinen Stimmung der betroffenen Person sichtbar. Auffällig ist zudem das Wechseln von dem einen in das andere Extrem. Dadurch ist das Verhalten der Betroffenen oft unberechenbar.

Um jedoch eine Diagnose stellen zu können, bedarf es dem Vorhandensein von mindestens fünf der folgenden Symptome:

  • Auf die starke Angst vor sozialen Verlusten und vor dem Verlassenwerden folgen intensive Bemühungen dies zu vermeiden – unabhängig davon, ob es es nur um Vermutungen oder Tatsachen handelt
  • Zwischenmenschliche Beziehungen sind von ihrer Intensität aber auch Instabilität und Ambivalenz geprägt. Sie schwanken zwischen intensiver Nähe und totaler Abweisung
  • Permanente Unsicherheit des eigenen Selbstbildes
  • Impulsives Verhalten beispielsweise im Umgang mit Geld, in der Sexualität sowie im Umgang mit Rauschmitteln
  • Starke Stimmungsschwankungen, Gereiztheit oder Angstzustände
  • Selbstverletzendes- oder suizidales Verhalten
  • Dissoziationen und paranoide Gedanken
  • Affektives Verhalten (Wutausbrüche, Kontrollverluste, Zornausbrüche)
  • Gefühl von Leere

Wann und woran zeigt sich die Erkrankung?

In vielen Fällen manifestiert sich die Persönlichkeitsstörung im frühen Erwachsenenalter und ist von Sprunghaftigkeit, Impulsivität, Stimmungsschwankungen sowie wechselnden Beziehungen geprägt. Kennzeichnend für das Krankheitsbild sind auch das selbstverletzende Verhalten, was hauptsächlich als Schneiden der Haut oder Ritzen bekannt ist. Jedoch tritt das selbstdestruktive Verhalten auch bei anderen Störungen auf, wie beispielsweise bei einer Depression, ADHS, Schizophrenie oder dem Asperger Syndrom, was die Diagnose äußerst schwer macht.

Welche Folgen hat die emotional-instabile Persönlichkeitsstörung?

Da die Borderline Persönlichkeitsstörung vor allem die Gefühlswelt, also das emotionale Empfinden beeinflusst, ist eine Ausprägung in fast allen Lebensbereichen zu spüren. Durch das leicht aggressive und gereizte Verhalten gegenüber anderen ist es äußerst schwierig Betroffene mit Kritik zu konfrontieren, da sie damit meist nur sehr schwer umgehen können. Durch die starken Stimmungsschwankungen und die Überempfindlichkeit ist es für das Umfeld meist schwer einzuordnen wie es dem Betroffenen wirklich geht. Es kann schnell zu Missverständnissen kommen, da Menschen mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung sich oft ungerecht behandelt oder zurückgewiesen fühlen. Sie kommen mit der damit verbundenen, subjektiv empfundenen Enttäuschung nur schwer zurecht.

Borderline-Patienten leiden zudem unter enormen Verlustängsten, sogar in einer noch extremeren Intensität als Menschen mit sozialen Phobien. Sie klammern sich vor allem in Paarbeziehungen stark daran fest. Durch die Unberechenbarkeit der Gefühle und den permanenten Wechsel der Extreme sind Partnerschaften jedoch sehr meist kurzlebig. Den Betroffenen fehlt es an Problemlösestrategien und ihre Stimmungsschwankungen werden sehr belastend für das Umfeld. Nicht selten kommt es vor, dass Borderliner Dissoziationen erleben, bei denen sie sich von der äußeren Welt oder ihrem Körper abkapseln und Reizeinwirkungen als irreal empfinden, womit auch ein Verlust des Zeitgefühls einhergehen kann. Durch die starke Ausprägung des selbstverletzenden Verhaltens bei Menschen mit Borderline, steigt auch die Neigung zu suizidalem Verhalten: ca. 10 Prozent der Betroffenen sind suizidgefährdet.

Welche Ursachen hat das Borderline-Syndrom?

In fast allen Fällen der Erkrankung ist eine fehlende Bindung zu den Eltern festzustellen. Neben der emotionalen Vernachlässigung spielen körperliche Misshandlungen sowie traumatische Ereignisse in der frühen Kindheit eine erhebliche Rolle. Über die Hälfte der Betroffenen berichten von Missbrauchserfahrungen in der Kindheit. Des Weiteren ist durch eine Meta-Analyse erkennbar geworden, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen können: Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist zu 40 Prozent erblich, wobei jedoch auch der Einfluss der Umwelt auf genetische Dispositionen ein Faktor sein kann.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Aufgrund der pathologischen Ursachen des Störungsbildes ist eine vollständige Heilung nicht möglich, jedoch helfen therapeutische Interventionen (vor allem mit psychodynamischen Charakter) besser mit den Symptomen umzugehen. Die kognitive Verhaltenstherapie ist ebenfalls für ihre Effektivität bekannt und hilft die Symptome zu mildern. Vor allem das selbstschädigende Verhalten kann durch eine Therapie behandelt werden. Betroffene lernen konstruktive Copingstrategien um besser mit Spannungszuständen fertig zu werden. Die mentalisierungsgestützte Psychotherapie ist eine noch sehr junge, jedoch sehr wirksame Methode bei der Behandlung der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung: Zentrale Aufgabe des Behandlungskonzepts ist es, das Verständnis für das eigene emotionale Empfinden zu verbessern. Folgende Therapiemöglichkeiten sind ebenfalls bei der Behandlung des Borderline-Syndroms hilfreich:

  • Schematherapie
  • psychoedukative Behandlungen
  • dialektisch Behaviorale Psychotherapie
  • Traumatherapie Zusätzlich können Medikamente verordnet werden, welche aber in keinem Fall die Psychotherapie ersetzen sollten. Bei einer professionellen und kompetenten Psychotherapie ist trotz der Komplexität und Komorbidität des Störungsbildes, bei den meisten Betroffenen langfristig eine deutliche Symptomlinderung zu erkennen.

 

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Quelle: Psychosoziale-Gesundheit.net Monks – Ärzte im Netz

Marieke

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