A day in the life: Vom Leben mit einer Essstörung

  • Erfahrungsbericht vom Leben mit einer Essstörung

„774 Kalorien: So viel habe ich am Vortag gegessen. Für mein Empfinden sind es 774 Kalorien zu viel, aber ich weiß, ohne sie, lande ich wieder im Krankenhaus. Also setzte ich mir als Tagesziel, mindestens auf 700 zu kommen, und esse einen Apfel zum Frühstück.

Während meine Kollegen mit dem Auto oder mit Bus und Bahn zur Arbeit kommen, gehe ich zu Fuß. Fast eine ganze Stunde bin ich unterwegs, abends erwartet mich dieselbe Distanz auf dem Rückweg. Dabei verbrenne ich zwar weniger als 200 Kalorien pro Strecke, aber das ist mir lieber als den ganzen Weg zu sitzen.

Ich muss mich setzen, weil mir schummrig wird

Mein Job gefällt mir, ich habe nette Kollegen, aber während der Mittagspause bleibe ich dennoch lieber für mich. Oft überkommt mich das Gefühl der Einsamkeit, wenn ich alleine an meinem Schreibtisch sitze während die Kollegen in den Mensa den neuesten Bürotratsch austauschen.

Auf dem Fußmarsch nach Hause muss ich mich zweimal auf eine Parkbank setzen, weil mir schummrig wird. Ich hätte wohl doch etwas zu Mittag essen sollen. Als ich am Supermarkt vorbeikomme, zögere ich kurz und spiele mit dem Gedanken, einen Berg Schokolade, Kuchen und Kekse zu kaufen. Ich könnte ja einfach alles wieder erbrechen und kein Gramm davon zunehmen.

Bevor es zu spät für mich ist

Eine Zeit lang habe ich das fast täglich getan. Ich hatte also Magersucht des sogenannten Purging-Typus. Jetzt bin ich eher restriktiv, erlaube mir fast nichts und bin ehrlich gesagt sehr stolz darauf. Ich weiß, dass ich krank bin. Eines Tages bringe ich vielleicht die Kraft auf, etwas an meinem Leben zu ändern. Ich hoffe, dieser Tag kommt, bevor es zu spät für mich ist.“

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Marieke

Marieke