Zeitumstellung: Depression in der Winterzeit

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In der Nacht vom 26. Oktober auf den 27. Oktober ist es wieder soweit – die Uhren werden eine Stunde zurückgedreht. Dieser Wechsel schlägt vielen Menschen aufs Gemüt, wie eine Umfrage der DAK zeigt: Jeder vierte Deutsche kämpft nach der Zeitumstellung mit gesundheitlichen Beschwerden. Fühlst auch Du Dich niedergeschlagen und matt? Wir erklären Dir, welche Auswirkungen die Zeitumstellung hat und was Du dagegen tun kannst. 

 

Wenn die Tage kürzer werden

Vielleicht kennst Du das unangenehme Gefühl, wenn Du von der Arbeit heimkommst und es plötzlich dunkel ist. Die abendliche Dämmerung setzt nach der Zeitumstellung im Oktober früher ein und die Tage fühlen sich kürzer an. Du gewinnst zwar eine „hellere“ Morgenstunde dazu, aber diese Zeit verbringst Du ohnehin im Badezimmer oder am Frühstückstisch. Mit der Zeitumstellung kündigt sich eine längere Periode dunkler, kalter Tage an – und dieser Wechsel kann Dein Wohlbefinden beeinträchtigen. 

Obwohl Du nach der Zeitumstellung nur eine Stunde verlierst bzw. dazugewinnst, wirkt sich dies auf Deinen zirkardianen Rhythmus (Schlaf-Wach-Rhythmus) aus. Dafür sind unter anderem Hormone im Körper verantwortlich, welche die Wachheit und die Schlafbereitschaft steuern. „Unser Schlafrhythmus wird durch unsere innere Uhr gesteuert, die jetzt gehörig durcheinandergebracht wird“, sagt Andreas Eger, Technischer Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums am Helios Amper-Klinikum Dachau. Die Zeitumstellung wirkt sich häufig auf die Psyche und auf Körperfunktionen wie den Kreislauf aus. Neben Konzentrationsproblemen und Antriebslosigkeit sind dies typische Symptome nach der Zeitumstellung: Depression, Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit und Schlafstörungen.

 

Zeitumstellung: Depression kommt im Herbst häufiger vor  

„Statistiken zufolge suchen während der Zeitumstellung mehr Menschen einen Arzt auf als sonst, auch die Einnahme von Schlafmitteln und Antidepressiva steigt“, sagt Schlaf-Experte Andreas Eger. Studien belegen ebenfalls die negativen Auswirkungen auf die Psyche: Forscher der dänischen Aarhus University konnten nachweisen, dass nach der Zeitumstellung im Herbst mehr Menschen in psychiatrischen Krankenhäusern mit Depressionen diagnostiziert werden.

Die häufiger auftretenden Depressionen werden von den Forschern auch mit der verringerten Tageslichtzufuhr in Zusammenhang gebracht. Der Lichtmangel im Herbst und Winter hemmt die Produktion von Endorphinen im Körper, die sich positiv auf das allgemeine Wohlbefinden und die Psyche auswirken. Der Körper bildet zudem weniger Serotonin. Das Hormon hat nicht nur Auswirkungen auf den Schlaf, sondern auch auf die Stimmung und den Appetit. 

Hinzu kommt, dass viele Menschen im Winter einen erheblichen Vitamin-D-Mangel haben – auch unabhängig von der Zeitumstellung. Der Körper muss etwa 80 Prozent des wertvollen Vitamins selbst in der Haut bilden. Dies geschieht durch UV-B-Strahlen, die auf die Hautoberfläche fallen. Wer sich im Herbst und Winter kaum an der frischen Luft bewegt und zu wenig Tageslicht tankt, leidet durch das Vitamin-D-Defizit nachweislich unter Antriebslosigkeit und schlechter Stimmung. 

 

Zeitumstellung & Depression: Hilfreiche Tipps für den Alltag

Du kannst Dich auf die bevorstehende Zeitumstellung und die dunklen Tage im Winter vorbereiten. Idealerweise gehst Du am Abend vor der Zeitumstellung eine Stunde später ins Bett, damit Du Dich bei gleichbleibender Schlafzeit an die Winterzeit gewöhnst. Verzichte mindestens drei Stunden vor dem Zubettgehen auf schwere Mahlzeiten, Alkohol oder koffeinhaltige Getränke. Stimme Dich lieber mit einem Ritual auf die Abendruhe ein, etwa mit einem Entspannungsbad.

Nach der Zeitumstellung solltest Du Deine täglichen Abläufe möglichst schnell an die Winterzeit anpassen. Wenn Du normalerweise um 18 Uhr das Abendessen zubereitest, solltest Du es nun auch tun – auch wenn Du noch kein starkes Hungergefühl verspürst. Falls Du Dich müde und schlapp fühlst, sollte der Mittagsschlaf kurz ausfallen und eine Dauer von 30 Minuten nicht überschreiten. Bewege Dich tagsüber möglichst viel im Freien: So tankst Du nicht nur Deinen Vitamin-D-Speicher auf, sondern kannst auch die aufsteigende Müdigkeit überwinden. 

Übrigens: Die Zeitumstellung wurde ursprünglich eingeführt, um Energie zu sparen und das Tageslicht in den Sommermonaten bestmöglich zu nutzen. Die Effizienz des halbjährlichen Uhrenstellens ist mittlerweile aber stark umstritten. Bei einer EU-Umfrage hatten sich im August 2019 etwa 84 Prozent für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. 

 

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Andrea Bruchwitz

Andrea Bruchwitz