Hunde gegen Depressionen – so wirkt Tiertherapie

  • Leidest Du an einer Depression? Ein Hund kann Dich unterstützen.

Es gibt viele Wege aus der Depression – doch können Hunde dabei helfen? Eine Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung: Im Durchschnitt leidet jeder fünfte Deutsche daran. Die Symptome können den Alltag stark beeinträchtigen, denn neben einer gedrückten Stimmung können Schlafstörungen, Antriebslosigkeit und Schuldgefühle auftreten. Obwohl sich eine Depression nur mit einer psychotherapeutischen Behandlung vollständig heilen lässt, gibt es viele Studien, die eine weitere Therapiemöglichkeit bestätigen: Haustiere können den Heilungsprozess deutlich vorantreiben.

So wirkt sich ein Hund auf Depressionen aus

Hast Du Dir schon einmal die folgenden Fragen gestellt: Was tun bei Depressionen – und helfen Tiere gegen Depressionen? Vielleicht hast Du in der Vergangenheit gelegentlich bemerkt, dass ein Haustier Deine negativen Emotionen gelindert hat. Beim Streicheln und Schmusen haben sich Stress, Trauer oder Angstgefühle einfach in Luft aufgelöst. Dieses subjektive Empfinden ist wissenschaftlich belegt: Eine portugiesische Studie untersuchte Patienten mit einer schweren Depression. Alle Studienteilnehmer, die sich zu Beginn ein Haustier anschafften, hatten innerhalb von zwölf Wochen deutlich bessere Werte auf den Depressionsskalen HAMD17 und GAF. Nach Abschluss der Untersuchung erfüllten mehr als ein Drittel der Patienten nicht einmal mehr die Kriterien für die Diagnose. Der Gemütszustand der Patienten in der Kontrollgruppe ohne Haustier blieb allerdings unverändert (Quelle: Deutsche Medizinische Wochenschrift 2018/18). Ein Haustier kann den Heilungsprozess also deutlich vorantreiben und das psychische Wohlbefinden verbessern.

Der Grund für die heilende Wirkung einer Tiertherapie ist vor allem die erhöhte Hormonproduktion von Oxytocin, welches das Gehirn bei Tierkontakt ausschüttet. Das Bindungshormon fördert positives soziales Miteinander und spielt beispielsweise nach der Geburt eine wichtige Rolle, um die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind zu stärken. Schon der freudige Blick eines Vierbeiners kann ein Lächeln hervorrufen und die Ausschüttung von Oxytocin ankurbeln. Wenn Du das Tier liebevoll streichelst, beruhigt sich zudem Dein Herzschlag und der Spiegel des Stresshormons Cortisol wird gesenkt.

Tiertherapie: Ein Hund gegen Depression

Helfen Tiere gegen Depressionen? Diese Frage lässt sich nur unter bestimmten Bedingungen mit „Ja“ beantworten. Wissenschaftler der Ruhr-Universität in Bochum haben herausgefunden, dass das gesteigerte Wohlbefinden durch Haustiere mit weiteren Faktoren zusammenhängt. In der Studie, die im „Journal of Positive Psychology“ veröffentlicht wurde, gab es einen signifikanten Unterschied zwischen glücklichen und unglücklichen Tierbesitzern. So gaben zufriedene Tierbesitzer beispielsweise an, dass ihr Haustier keine finanzielle Belastung darstelle. Zudem begriffen sie das Umsorgen ihres Tieres als wichtige Lebensaufgabe – oder sogenannte „soziale Rolle“ – und nicht als lästige Verpflichtung. Ein weiterer Faktor waren die persönlichen Einschränkungen, welche durch die Haltung des Tieres entstanden. Je weniger das Leben des Besitzers beeinträchtigt wurde, desto höher war sein Wohlbefinden.

Es ist also nur sinnvoll, sich einen Hund gegen Depression anzuschaffen, wenn er ins eigene Leben passt. „[Haustiere] können eine Quelle purer Freude sein und einem das Gefühl geben, gebraucht und geliebt zu werden“, sagt Maike Luhmann, Professorin für Psychologische Methodenlehre an der Ruhr-Universität. „Aber gleichzeitig kann der Umgang mit ihnen auch manchmal anstrengend sein und – je nach Lebensphase – eine finanzielle Belastung darstellen. Insgesamt scheinen sich die positiven und negativen Einflüsse auf das Wohlbefinden die Waage zu halten“, fasst Luhmann zusammen. Aus diesem Grund sei es wichtig, vor der Anschaffung des Tieres die verschiedenen Faktoren abzuwägen und die Entscheidung anhand der persönlichen Situation zu treffen.

Checkliste: Ist ein Haustier das Richtige für mich?

Helfen Hunde gegen Depressionen? Ja, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Die nachfolgende Checkliste gibt Dir einen Überblick darüber, welche Anforderungen Du erfüllen solltest.

  • Kannst Du uneingeschränkt für das Wohl des Tieres garantieren? Oder ist Deine Depression so schwerwiegend, dass Du das Tier nicht immer artgerecht behandeln kannst?
  • Würdest Du Deine Fürsorge als bedeutende Lebensaufgabe betrachten und sie mit Leidenschaft ausführen?
  • Hast Du die finanziellen Mittel, um neben den Anschaffungskosten auch regelmäßige Futter- und Tierarztkosten sowie aufkommende Steuern zu übernehmen?
  • Kannst Du Deinen Tagesablauf so gestalten, dass die Bedürfnisse des Tieres erfüllt werden? Einen Hund musst Du mehrmals am Tag spazieren führen und regelmäßig füttern.
  • Kannst Du das Haustier problemlos bei einem Hundesitter oder Freund abgeben, wenn Du in den Urlaub fährst?

Wege aus der Depression: Ein Hund für mehr Struktur im Alltag

Wenn ein Hund in Dein Leben hineinpasst, kannst Du Dich auf einen strukturierten Tagesablauf freuen. Tierische Begleiter verlangen nach Futter und Aufmerksamkeit – damit wirken sie lähmender Antriebslosigkeit entgegen. Schmusen mit deinem Vierbeiner sorgt für eine erhöhte Ausschüttung des „Kuschelhormons“ Oxytocin. Hundebesitzer gehen mehrmals am Tag an die frische Luft und können leichter soziale Kontakte knüpfen. Außerdem erhellt das Sonnenlicht beim Spazierengehen die Stimmung, denn Bewegung unter freiem Himmel steigert den Serotoninspiegel. Im Vergleich zu anderen Haustierarten ist es daher besonders wirksam, mit einem Hund gegen Depression vorzugehen.

Vor der Anschaffung eines Hundes solltest Du Dich aber gut beraten lassen. Temperamentvolle Hunderassen wie Boxer oder Australian Sheperds können kräftezehrend sein – entscheide Dich lieber für ein ruhiges Tier. Vielleicht möchtest Du auch ein älteres Tier adoptieren, denn es kennt bereits die wichtigsten Regeln und braucht weniger Aufmerksamkeit als ein Jungtier.

Möchtest Du aus Zeit- oder Geldgründen keinen eigenen Hund halten? Viele Tierheime bieten Patenschaften an und freuen sich darüber, wenn Du ihren Bewohnern etwas Aufmerksamkeit und Liebe schenkst. Erkundige Dich bei Freunden und Verwandten mit umgänglichen Haustieren, ob Du ihre Schützlinge für einige Stunden hüten darfst. Du wirst sehen, dass sich Deine Stimmung aufhellt, wenn Du Dich eine Weile mit einem Vierbeiner beschäftigst. 

Neben der Unterstützung durch ein Haustier kannst Du in unserem Selfapy Depressionskurs Dein seelisches Wohlbefinden verbessern. Unsere Kursinhalte basieren auf den Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie. Erhalte über 12 Wochen hinweg Texte, Videos und interaktive Übungen, die Du in Deinen Alltag integrieren kannst. Alle Kurse werden durch einen Psychologen per Nachrichtenfunktion begleitet – auf Wunsch sind ergänzende Telefonate möglich.

Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für den Selfapy Depressions-Kurs. Informiere Dich jetzt im kostenlosen Infogespräch  (030 398203120) ob der Kurs das Richtige für Dich ist.

Andrea Bruchwitz

Andrea Bruchwitz