Wissenswert: Gefühle, Gedanken Und Handeln Verstehen

  • Gefühle, Gedanken Und Handeln Verstehen

Kennst Du das, wenn Du einen rührenden Spielfilm schaust und dir plötzlich die Tränen kommen? Nicht nur Trauriges kann ansteckend sein, sondern auch Lachen und andere Emotionen. Die Annahme, wir hätten keine Kontrolle darüber, wie wir uns fühlen, ist jedoch falsch.

Begehst Auch Du Diese Denkfehler?

Studien (u.a. von Aaron T. Beck, 1979) haben gezeigt, dass dem traurigen Gefühlszustand depressiver Menschen dysfunktionale Einstellungen (solche, die Dir langfristig nicht gut tun) und negative, automatisierte Gedanken zugrunde liegen. Fokussierst Du dich immer auf das Schlechte in dieser Welt? Hast Du unrealistische Erwartungen? Betonst Du unbewusst immer wieder Deine Fehler und Schwächen statt Deiner Stärken? Im kognitiven Erklärungsmodell von Depressionen spricht man auch von Denkfehlern. Drei negative Ansichten — negative Sicht der Welt, der eigen Person und der Zukunft — formen eine sogenannte kognitive Triade, welche eine Depression entstehen lassen oder aufrechterhalten kann.

Woher Deine Emotionen Kommen

Basierend auf diesem Modell lassen sich viele unserer Emotionen erklären. Nehmen wir beispielsweise das Gefühl von Angst: Ihm liegt der Glauben zu Grunde, dass Dir etwas schlechtes passieren wird. Traurigkeit? Du glaubst vermutlich etwas wichtiges verloren zu haben oder zu verlieren. Wut kann aus dem Glauben entstehen, dass Dir etwas genommen wurde.

Das SORKC-Modell

Auf ähnliche Weise kann das SORKC-Schema der Psychologen Kanfer und Saslow (1974) herangezogen werden, um Verhaltensmuster zu erklären. Achtung, jetzt wird es ein wenig kompliziert. Das Akronym SORKC (auch: SORCK) steht für Stimulus, Organismus, Reaktion, Konsequenz und Kontingenz. Was diese Begriffe bedeuten, wird im folgenden Beispiel erläutert.

Hast Du Lust Zum Feiern?

Stell Dir eine bestimmte Situation oder einen Gedanken vor, beispielsweise eine Einladung zu einer Feier: Der äußere Reiz, der auf dich wirkt (es gibt auch innere Reize) ist der sogenannte Stimulus. Aufgrund individueller Eigenschaften wie biologischen Prozessen, Persönlichkeitseigenschaften, Erfahrungen oder Überzeugungen (den Organismus-Variablen) wirst Du eine Reaktion zeigen. Sie kann motorisch, affektiv, physiologisch und kognitiv sein. Mit anderen Worten: Du reagierst mit Bewegungen, auf Gefühlsebene, körperlich oder intellektuell. Nimmst Du die Einladung an, weil Du in der Vergangenheit lustige Partys mit dem Gastgeber gefeiert hast? Lehnst Du ab, weil Du ein eher schüchterner Typ bist und glaubst, dass Du auf der Feier alleine in der Ecke sitzen wirst?

Konsequenz Und Kontingenz

Dein Verhalten wird in jedem Fall Konsequenzen nach sich ziehen, die positiv oder negativ ausfallen können und dich “konditionieren”. Das bedeutet, dein Verhalten wird aufgebaut, abgebaut oder aufrecht erhalten. Unter Kontingenz ist zu verstehen, wie häufig und regelmäßig die Konsequenzen auf das Verhalten folgen.

Und Nun?

Kannst Du das Party-Beispiel weiterspinnen? Was passiert, wenn Du aufgrund einer schlechten Erfahrung nicht zur Feier gehst? Möglicherweise fühlst Du Dich kurzfristig besser, baust Angst und Nervosität ab. Doch was sind die längerfristigen Konsequenzen? Sozialer Rückzug? Vereinsamung? Versuch das SORKC-Schema auf verschiedene Situationen in deinem Leben anzuwenden, um so dein eigenes Verhalten besser zu verstehen. Denn: Erkenntnis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Veränderung.


Quellenangaben:

Beck, Aaron T.; Rush, A. John; Shaw, Brian F.; Emery, Gary. (1979). Cognitive Therapy of Depression. New York: The Guilford Press.

Kanfer, F. H. & Saslow, G. (1974). Verhaltenstheoretische Diagnostik. In D. Schulte (Hrsg.), Diagnostik in der Verhaltenstherapie (S. 24–59). Urban & Schwarzenberg: München.

Marieke

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