Depression erkennen und behandeln

  • Ursachen und Symptome Depressionn depressiv werden? Wie sieht die Behandlung Depressionen

Mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer Depression. Weltweit sind geschätzt 350 Millionen betroffen. Zu den typischen Symptome gehören eine gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit, Antriebsmangel und negatives Denken. Oftmals wirkt sich die psychische Erkrankung negativ auf das körperliche Wohlbefinden aus.

Wer erkrankt an Depressionen?

Jährlich erkranken von 100 Personen ein bis zwei neu an einer Depression. Das Risiko im Laufe des Lebens depressiv zu werden liegt bei 16-20 Prozent. Bei Frauen ist das Risiko doppelt so hoch wie bei Männern. Die erste depressive Episode tritt in einigen Fällen im Kindes- und Jugendalter auf. Das durchschnittliche Alter einer Ersterkrankung ist das 31. Lebensjahr. In vielen Fällen tritt die Depression zusammen mit mindestens einer anderen psychischen Störung auf. Dies nennt sich Komorbidität. Vor allem Angst- und Panikstörungen, sowie Suchterkrankungen, Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen, somatoforme Störungen und Zwangsstörungen weisen eine hohe Komorbidität mit der Depression auf.

Was sind die Symptome einer Depression?

Die Symptomatik der Depression ist vielfältig. Symptome können sowohl psychisch, als auch somatisch, das heißt körperlich, sein. Das Krankheitsbild variiert von Person zu Person. Im ICD-10, dem Handbuch für medizinische Diagnosen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), ist die Depression als affektive Störungen gelistet. Per Definition gehören eine Reihe von Haupt- und Zusatzsymptomen zu dem Krankheitsbild. Je nach Anzahl der Symptome unterscheidet das ICD-10 zwischen einer leichten, mittelschweren und schweren Depression. Letztere ist als Majore Depression bekannt.

Hauptsymptome:

  • depressive Stimmung
  • Freudlosigkeit / Interessenverlust
  • Antriebslosigkeit

Zusatzsymptome:

  • negative Gedanken / Grübelzwang
  • pessimistische Zukunftsperspektive
  • Konzentrationsstörungen
  • niedriges Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle
  • Schlafstörungen
  • Gefühl der Hoffnungslosigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Suizidgedanken (besonders bei schwerer Depression)

Führt eine Depression zu Selbstmord?

Zahlreiche psychische Erkrankungen sind mit einem erhöhten Suizidrisiko verbunden. Menschen mit einer Depression sind besonders gefährdet. Laut Angaben des Statistischen Bundesamts nehmen sich in Deutschland jedes Jahr mehr als 10.000 Menschen das Leben. Die Anzahl der Selbstmordversuche ist noch etwa 7-12 Mal höher, als die der vollzogenen Selbsttötungen. Nicht jeder Mensch, der unter schweren Depressionen leidet, ist selbstmordgefährdet. Studien zeigen jedoch, dass 30 Prozent der depressiven Patienten einen Suizidversuch hinter sich haben und 45 Prozent bei der Aufnahme in eine Klinik akut suizidal sind.

Diagnose der Depression

Besteht der Verdacht auf eine depressive Episode, können Betroffene sich zunächst an ihren Hausarzt wenden oder direkt einen Psychiater, Psychologen, psychologischen Psychotherapeuten oder Arzt für psychosomatische Medizin konsultieren. Liegen mindestens zwei der Hauptsymptome, bzw. drei bei einer schweren Episode, über einen Zeitraum von zwei Wochen vor, steht die Diagnose Depression. Anhand der vorliegenden Zusatzsymptome bestimmen Ärzte, Therapeuten und Psychologen den Schweregrad:

  • leichte Episode: 2 Zusatzsymptome
  • mittelgradige Episode: 3-4 Zusatzsymptome
  • schwere Episode: mindestens 4 Zusatzsymptome

Auch ein Selbsttest gibt Aufschluss darüber, ob eine Depression besteht. Betroffene können solch einen Test innerhalb weniger Minuten anonym im Internet durchführen und erhalten einen ersten Anhaltspunkt dafür, warum es ihnen möglicherweise schlecht geht. Ein Selbsttest ersetzt keine ärztliche Diagnose.

Die Ursachen der Depression

Zur Entstehung der Depression existieren mehrere Theorien. Multifaktorielle Erklärungskonzepte gehen von einer Wechselwirkung biologischer und psychologischer bzw. psychosozialer Faktoren aus. Zu den biologischen Faktoren oder Prädispositionen, gehört die genetische Vulnerabilität bzw. Veranlagung.

Ein Hinweis für das Vorliegen einer genetischen Komponente ist die familiäre Häufung von Depressionen. Studien zeigen, dass bei einer Depression die Signalübertragung der Botenstoffe Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, sowie andere Signalsysteme im Gehirn des Betroffenen gestört sind. Diese Erkenntnis dient bei einer medikamentösen Behandlung als Grundlage.

Das psychodynamische Erklärungsmodell oder die kognitionspsychologischen Hypothesen (u.a. Becks Depressionsmodell) fokussieren die psychologischen und psychosozialen Faktoren, wie Beziehungserfahrungen oder gestörte Kognitionen. Dysfunktionale Einstellungen und negative automatische Gedanken über sich selbst, die Umwelt und die Zukunft gelten unter anderem als Auslöser einer Depression. Ungünstige Lebensumstände wie Arbeitslosigkeit und ein niedriger sozioökonomischer Status, geringe Qualität der Partnerschaft, körperliche Erkrankungen oder ein Mangel an sozialen Kontakten kommen ebenfalls als Auslöser der Depression in Betracht, insbesondere bei einer genetischen Vorbelastung.

 

negative gedanken

Behandlung der Depression

Die Behandlung der Depression zielt auf eine Symptomreduktion bis hin zur vollständigen Heilung und auf die Verhinderung eines Rückfalls ab. Weitere Ziele sind die Wiedererlangung, Erhaltung oder Verbesserung der Leistungsfähigkeit, der sozialen Kontakte oder der Arbeitsfähigkeit, eine Senkung des Suizidrisikos und die Wiederherstellung des seelischen Gleichgewichts.

Ärzte, Therapeuten und Psychologen müssen den Schweregrad der Depression, den Erkrankungsverlauf und die Wünsche des Patienten bei der Wahl einer Behandlungsmethode berücksichtigen. Neben der aktiv-abwartenden Begleitung (bei einer leichten Depression), existieren drei weitere Behandlungsstrategien: eine medikamentöse Behandlung, eine psychotherapeutische Behandlung oder eine Kombinationstherapie. Ergänzend kommen zunehmend Verfahren wie die Lichttherapie, Sport- und Bewegungstherapie oder Selbsthilfe und Online-Programme zum Einsatz.

Nach den aktuellen medizinischen Leitlinien (S3) empfiehlt sich bei leichten bis mittelgradigen Depressionen eine Medikamentenbehandlung oder Psychotherapie, bei einer schweren Episode eine Kombination beider Verfahren. Studien zeigen, dass eine begleitende psychotherapeutische Behandlung zusätzlich zur Einnahme von Antidepressiva einen positiven Effekt hat. Die kognitive Verhaltenstherapie ist besonders wirksam in der Behandlung von Depressionen.

Online-Kurse gegen Depression

Seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit ind Online-Kursen gegen die Depression anzugehen. Gemeint sind damit Programme, die das Internet zur Kommunikation nutzen (z.B. für Chat-Gespräche mit einem Therapeuten), die es als Informationsplattform nutzen (z.B. in interaktiven Online-Kursen) oder die beide Möglichkeiten kombinieren. Die Kombination ist als internet-basierte geleitete Selbsthilfe bekannt. Studien belegen die Wirksamkeit dieses Verfahrens, besonders für die Behandlung von Depressionen und Angststörungen.

Selfapys psychologisch begleiteter Selbsthilfekurs gegen Depressionen vermittelt Techniken, mit denen Betroffene ihre Stimmung gezielt verbessern können. Die neu erlernten Strategien verankern Kursteilnehmer fest in ihrem Alltag. Wöchentliche Psychologen-Gespräche per Telefon oder Chat helfen bei der Reflektion und Vertiefung des Kursinhaltes. Eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) evaluierte 2016 den Selfapy Depressionskurs und stellte seine Wirksamkeit fest. Das 9-Wochen-Programm reduziert bei Betroffenen die Symptome der Depression signifikant.

 

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Krankheitsverlauf der Depression

Ein Drittel aller Betroffenen durchläuft lediglich eine depressive Phase in ihrem Leben. Der Rest erfährt einen oder mehrere Rückfälle. Wenn sich depressive Episoden und Phasen normalen Wohlbefindens abwechseln, besteht eine rezidivierende depressive Erkrankung. Eine chronische Depression, Dysthymie genannt, besteht, wenn sich leichte Symptome über einen Zeitraum von zwei Jahren oder länger halten.

Eine durch Lichtmangel in den Wintermonaten ausgelöste Form der Depression ist die Saisonale Depressive Erkrankung. Die Winterdepression oder saisonabhängige Depression (SAD) verschwindet meist von alleine im Frühling und Sommer.

Betroffene erhalten bei dem Verdacht einer Depression zum Beispiel bei ihrem Hausarzt Hilfe. In einer akuten Krise und bei suizidalen Absichten sind die Telefonseelsorge unter der Nummer 0800 111 0 111 oder der Notruf unter 112 die besten Anlaufstellen.

 

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