Urlaub in Zeiten von Corona: Umgang mit der Angst

Die Corona-Pandemie stellt unsere Gesellschaft in vielerlei Hinsicht vor Herausforderungen. Hatten viele Menschen zunächst während des Lockdowns oder aufgrund dessen Folgen mit psychischen Problemen zu kämpfen, kommen in der Urlaubszeit wieder ganz neue Ängste hinzu. Die Corona-Pandemie beeinflusst nicht nur das alltägliche Leben massiv, sondern auch die Urlaubsplanung. 

Wie Angst entsteht

Dicht an dicht mit vielen Menschen in einem Flugzeug zu sitzen, in einem fremden Land mit unsicherer Gesundheitsversorgung konfrontiert zu sein, nicht zu wissen, ob man wieder nach Hause kommt. Das macht vielen Menschen Angst. Schon unter normalen Umständen, und nun während der Corona-Pandemie noch mehr. Zunächst aber hat Angst eine wichtige Funktion: Angst ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf Stress. Sie hilft dem Körper dabei, angemessen auf einen angstauslösenden Reiz zu reagieren. Sie sichert dem Menschen das Überleben. Dieser Vorgang wird Stressreaktion genannt. Wird also eine Situation oder ein Reiz als subjektiver Stressor empfunden, führt das im Körper zur Ausschüttung des Stresshormons Kortisol. Das löst eine erhöhte Aktivität des parasympathischen Nervensystems aus und führt so zu mehr Wachsamkeit und Erregung. Der Körper muss sich dann entscheiden, ob er mit Kampf oder Flucht reagiert fight or flight.

Angst im Zusammenhang mit Corona

Die Situation, die durch die Corona-Pandemie entstanden ist, ist für uns alle neu, schwer greifbar, ungewiss. Sie löst ein Gefühl von Kontrollverlust aus. Wir müssen uns erst an die neuen Gegebenheiten gewöhnen, sie austesten und bewerten, um adäquat auf sie reagieren zu können. Wurde eine Situation bereits in der Vergangenheit positiv bewältigt, kann auf diese Erfahrung zurückgegriffen werden und das erneute Verarbeiten wird so erleichtert. Auf diese Erfahrung aber können wir in diesem Fall nicht zurückgreifen. Reisewarnungen, Quarantäneregeln und verschiedenste Einreisebeschränkungen damit war die Bevölkerung so noch nie konfrontiert. Die neu entstandenen Ängste sind vielfältig und ziehen zum Teil auch erhebliche Konsequenzen nach sich: Bußgelder oder strafrechtliche Folgen bei der Missachtung von Regeln, eine Infektion, die Stornierung einer Reise.

Die Angst in der Tourismus-Branche

Nicht nur Urlauber, auch Menschen, die in der Tourismus-Branche beschäftigt sind, haben durch das Coronavirus mit ganz neuen Ängsten zu kämpfen. Dieser Bereich ist mitunter sehr stark von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen: Flugbuchungen, Hotelbuchungen, Restaurantbesuche all das ist durch das Virus erheblich eingeschränkt worden. Viele Beschäftigte haben ihre Jobs verloren oder kämpfen mit Kurzarbeit. Hier geht es demnach nicht nur um die Angst vor Ansteckung, sondern um die Bedrohung der eigenen Existenz.

Wann Angst zum Problem wird

Angst wird erst dann zum Problem, wenn sie Betroffene so sehr in ihrem Alltag einschränkt, dass kein normales Leben mehr möglich ist. Die Angst nimmt dann so sehr überhand, dass sie blockiert oder zu irrationalen Handlungen führen kann. Die Angst kann dann chronisch und sehr belastend werden. Das kann beispielsweise bedeuten, dass eine Reise zwar angetreten wird, man sich im Flugzeug aber so bedrängt fühlt, dass man eine Panikattacke bekommt. Oder, dass man sich am Urlaubsort nicht traut, das Hotelzimmer zu verlassen. Es kann aber auch bedeuten, dass man eine Reise gar nicht erst antritt. Es ist auf jeden Fall ratsam, in diesem Jahr Vorsicht walten zu lassen, wenn man Urlaub machen möchte. Die Vorsichtsmaßnahmen sollten jedoch immer den entsprechenden Umständen angepasst und verhältnismäßig sein. Sich ausgiebig über die Situation am Urlaubsort und entsprechende Maßnahmen zu informieren, kann den Stress bereits maßgeblich reduzieren.

Die Angst minimieren

Für wen Urlaub während der Corona-Pandemie unmöglich scheint, der kann trotzdem versuchen, seine Freizeit positiv und insbesondere aktiv zu gestalten. Trotz Einschränkungen. Um nicht immer tiefer in eine Spirale aus Angst, Stress und Depression hineinzugeraten, sind soziale Kontakte essentiell. Sich um andere kümmern und füreinander da sein. Auch wenn persönlicher Kontakt im Moment schwierig ist, telefonieren, chatten oder Videoanrufe mit nahestehenden Menschen lenken nicht nur ab, sie nehmen auch das Gefühl des Alleinseins. Dabei ist es wichtig und hilfreich, sich mit Menschen zu umgeben, die vielleicht besser mit der aktuellen Situation umgehen als man selbst, auch über andere Dinge zu sprechen als das Virus. Genau diese Menschen, die positiv sind, die eher beruhigen als die Angst zu bestärken, sind wichtig. Von ihnen kann man lernen, Angst als weniger belastend zu empfinden, statt die Angst weiterzugeben. 

In den Urlaub trotz Corona

Wer trotz Corona nicht auf Urlaub verzichten möchte, sollte auf einige Dinge achten. Zunächst stehen natürlich die physische Gesundheit und die einzuhaltenden Regeln an erster Stelle. Die Angst kann hier schon maßgeblich erleichtert werden, wenn man versucht, die Gefahr durch Corona für sich selbst realistisch einzuschätzen. Dabei helfen Fragen wie:

  • Gehöre ich zur Risikogruppe?
  • Gehören Menschen, mit denen ich viel in Kontakt bin zur Risikogruppe?
  • Kann ich mich durch das Tragen einer Maske oder Abstandsregelungen vielleicht ohnehin gut schützen? 

Daran sollte jede Urlaubsplanung angepasst werden. Um die Angst nicht mit im Gepäck zu haben, ist es wichtig, sich die Kontrolle über das eigene Handeln zurückzuholen, aktiv zu werden. Aktives Handeln kann Stress reduzieren und ist ein Kennzeichen von Resilienz, der Fähigkeit, gut mit schwierigen Situationen umgehen zu können. Das bedeutet, sich aktiv darüber zu informieren, wie die derzeitige Situation am Urlaubsort ist, sich über die Stornierungs- und Rückreisebedingungen zu informieren, den Urlaub intensiver planen als sonst und sich über Alternativen zu einer Fernreise zu informieren. Resilienz hat viel mit positivem Denken zu tun und ist eine Eigenschaft, die man lernen kann. Mit einer positiven Einstellung ist es auch leichter, Ungewissheit zu beseitigen und Stress und Angst zu minimieren.

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Quellen

1. Boswell J, Thompson-Hollands J, Farchione T, Barlow D (2013): Intolerance of uncertainty: a common factor in the treatment of emotional disorders. Journal of Clinical Psychology 2013; 69(6): 630–45. 

2. Fetscher, Caroline (2020). Corona-Alarm und Ferienpläne. Die Angst vor dem Virus im Gepäck. Online verfügbar unter https://www.tagesspiegel.de/politik/corona-alarm-und-ferienplaene-die-angst-vor-dem-virus-im-gepaeck/25946482.html [21.07.20].

3. Fröhlich-Gildhoff, K.; Rönnau-Böse, M. (2019): Resilienz. UTB GmbH.

4. Kelvin, D.J.,& Rubino, S. (2020). Fear of the novel coronavirus. The Journal of infection in developing countries, 14(01), 1-2.

5. Nicola, M., Alsafi et al. (2020). The socio-economic implications of the coronavirus and COVID-10 pandemic: a review. International Journal of Surgery.

6. von Dawans, B., & Heinrichs, M. (2018). Physiologische Stressreaktionen. In Handbuch Stressregulation und Sport (pp. 67-78). Springer, Berlin, Heidelberg.

Felicitas Eva Lindner

Felicitas Eva Lindner