Angst vor Menschen: Daran erkennst Du eine soziale Phobie

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Ziehst Du Dich aus dem sozialen Leben zurück und meidest Interaktionen mit anderen Menschen? Eine soziale Phobie kann sich in unterschiedlichsten Situationen bemerkbar machen, etwa durch das Vermeiden von gesellschaftlichen Anlässen, Festlichkeiten oder gemeinsamen Mittagessen mit Kollegen. Häufig löst schon die gedankliche Auseinandersetzung mit einer solchen „Gefahrensituation“ starke Angstsymptome aus. In diesem Artikel erfährst Du, wie sich eine soziale Phobie äußert und was Du dagegen tun kannst.

 

Schutz vor Kränkung und Erniedrigung

Die soziale Phobie zählt zu den phobischen Störungen und sollte nicht unterschätzt werden: Nach Alkoholabhängigkeit und Depressionen ist sie die dritthäufigste psychische Erkrankung. Das Krankheitsbild zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sich Betroffene vor der kritischen Betrachtung anderer Menschen fürchten. „Sozialphobische Ängste zentrieren sich auf zwischenmenschliche Situationen, in denen Betroffene eine subjektiv empfundene Bedrohung des eigenen Selbstwertes verspüren“, sagt Dr. Christa Roth-Sackenheim vom Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP). „Die Ängste bestehen darin, vermeintliche Fehler zu machen, sich ungeschickt oder beschämend zu verhalten und negative Aufmerksamkeit bis hin zur Erniedrigung oder auch Kränkung zu erleben.“ Den Betroffenen sei dabei durchaus klar, dass ihre Angst vor Menschen unbegründet und übertrieben sei. Allerdings könnten sie sich aus eigener Kraft kaum daraus lösen, da sie ihre Angstgefühle nicht mehr unter Kontrolle hätten. 

 

Angst vor Menschen: Erste Anzeichen und Symptome 

Die soziale Phobie wird in zwei Gruppen unterteilt: die spezifische soziale Phobie und die generalisierte soziale Phobie. Die spezifische soziale Phobie tritt meist unter den gleichen Umständen auf, etwa bei öffentlichen Reden, Referaten oder Sportprüfungen – also in allen Situationen, in denen eine Leistung abverlangt wird und der Betroffene „versagen“ könnte. Im Gegensatz dazu zeigen Menschen mit einer generalisierten sozialen Phobie eine Unsicherheit in vielfältigen Situationen und sind im Alltag generell unsicher. 

Hast Du vor einer Rede auch gelegentlich Herzklopfen oder fällt es Dir schwer, bei einer sozialen Interaktion den ersten Schritt zu wagen? Dann muss es sich nicht unbedingt um eine Angststörung handeln, sondern lediglich um eine Reaktion des Körpers auf Nervosität. Du kannst den Unterschied zwischen Lampenfieber oder Schüchternheit und einer sozialen Phobie an den Symptomen erkennen: Sozialphobiker haben vor sozialen Gruppensituationen so große Angst, dass sie mit zitternden Händen, Schweißausbrüchen und Herzrasen reagieren. Häufig fällt es den Betroffenen auch schwer, in der Öffentlichkeit zu essen oder zu trinken. Weitere Symptome sind Sprechhemmungen, Schluckbeschwerden, Übelkeit, Verkrampfungen und Schwindelgefühle. 

Hier beginnt der Teufelskreis, denn die Betroffenen erhalten in heiklen Situationen den Eindruck, die Kontrolle über ihren Körper zu verlieren. Dadurch wächst die Angst vor der Angst und das Ohnmachtsgefühl verstärkt sich zunehmend. Die Folge: Wer Angst vor fremden Menschen hat, entwickelt ein Vermeidungsverhalten. Dies kann dazu führen, dass soziale Kontakte vermieden und das Leben in der Öffentlichkeit gänzlich abgebrochen wird.

 

Tieferliegende Ursachen für die Angst vor Menschen 

Bei der Entstehung einer sozialen Phobie wirken vielfältige Faktoren zusammen. Die Angst vor Menschen entwickelt sich meist schon im Kindesalter oder in der frühen Jugend. Betroffene haben in der Vergangenheit häufig schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht und wurden ausgelacht oder gedemütigt. Ein Kind ist äußerst empfänglich für die Meinungen von Gleichaltrigen, Eltern oder Lehrern: Wer von seinen Bezugspersonen ständig abgewertet, lächerlich gemacht oder kritisiert wird, ohne ein gefestigtes Selbstbewusstsein zu haben, entwickelt schnell negative Denkmuster und neigt zu selbstkritischen Gedanken. Auch ein wenig emotionaler, aber extrem kontrollierender oder autoritärer Erziehungsstil kann dazu beitragen. Das geringe Selbstwertgefühl führt in den Folgejahren dazu, dass keine Freundschaften geschlossen und soziale Fähigkeiten weniger ausgebaut werden.  

Häufig entwickeln auch Personen, die überhöhte Erwartungen an sich selbst haben, eine Angst vor fremden Menschen. Soziale Isolation „schützt“ sie vor weiterem Versagen und kränkenden Erniedrigungen. Die Angst vor Menschen kann aber auch aus einschneidenden, traumatischen Erlebnissen hervorgehen, wie dem Verlust eines nahestehenden Familienmitglieds. 

 

Diese Maßnahmen helfen gegen die Angst 

Erkennst Du Dich darin wieder? Leidest Du möglicherweise unter einer sozialen Phobie? Die gute Nachricht lautet, dass die Angst vor fremden Menschen heilbar ist. Dafür ist zunächst eine Konfrontation mit den eigenen Ängsten erforderlich. Wer dauerhaft gegen die Angst ankämpft, überfordert sich und verstärkt die Symptome. Eine Annahme der Angst führt hingegen dazu, dass die kräftezehrenden Kontrollversuche unterlassen werden. 

Dabei hilft Dir in erster Linie eine Psychotherapie: Wissenschaftler des Forschungsverbundes zur Psychotherapie der Sozialen Phobie (SOPHO-NET) untersuchten die Wirksamkeit von Psychotherapien bei Menschen mit sozialer Phobie. Das Ergebnis war eindeutig: Eine Therapie sorgt dafür, dass die Symptome abklingen oder ganz verschwinden. „Einfach ohne jegliche Psychotherapie abzuwarten, ist keine sinnvolle Alternative, um soziale Ängste in den Griff zu bekommen“, sagt Professor Dr. Falk Leichsenring, Leiter des Forschungsverbundes.

 

Angst vor fremden Menschen: Konfrontation und Überwindung

In einer Therapie lernst Du, souverän mit Deiner Angst vor vielen Menschen umzugehen. Dabei werden Strategien zur Emotionsregulierung entwickelt und die Selbstkontrolle gestärkt. Du identifizierst Deine persönlichen Auslöser und durchbrichst mit interaktiven Übungen den Angstkreislauf. So musst Du auftretende Symptome nicht mehr unterdrücken, sondern kannst sie bewusst zulassen und wahrnehmen. 

Diese Konfrontation erfolgt so lange, bis die Angst abklingt und nicht mehr als solche wahrgenommen wird. Durch die Auseinandersetzung erlangst Du innere Stärke und kannst souveräner mit unbekannten Situationen umgehen. Im Rahmen einer Therapie lernst Du zudem Deine individuellen Stärken kennen und festigst Dein Selbstwertgefühl. 

Übrigens: Mit Entspannungsverfahren wie Yoga oder Chi Gong kannst Du Deine geistige Achtsamkeit im Alltag stärken und geistige Blockaden lösen. Achte auf einen ausgewogenen Speiseplan, denn eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und natürlichen Eiweißen liefert wichtige Aminosäuren, die für den Hirnstoffwechsel benötigt werden und Serotonin produzieren. 

 

Lange Wartezeiten für einen Therapieplatz überbrücken

Eine Therapie ist die einzig wirksame Methode gegen eine soziale Phobie, allerdings liegt die Wartezeit zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Du kannst diese Zeit mit einem Online-Kurs von Selfapy überbrücken. Psychoedukative Texte und Videos helfen Dir dabei, die Angst vor vielen Menschen zu überwinden. Ein Psychologe steht Dir telefonisch oder im Chat zur Seite, damit Du aus dem Teufelskreis der Angst ausbrechen kannst. 

Informiere Dich jetzt in einem kostenlosen Erstgespräch. Unser Selfapy Online-Programm gegen Angststörungen hilft Dir dabei, Deine Emotionen und Reaktionen zu verstehen, damit Du Dich wieder frei bewegen kannst.

Andrea Bruchwitz

Andrea Bruchwitz